Zwischen Mehl und Verfahrenstechnik

 

Die Müllerstochter Erna hat geträumt, erinnert nur noch Bruchstücke. Wieder hat sie vergessen, sich Block und Bleistift auf den Nachttisch zu legen. In ihrem Bettzeug aus reiner Kornseide, versehen mit dem Weizendreieck , versucht sie sich am frühen Morgen zu orientieren. Gleich wird der Müller sie wecken, das Mahlwerk der Holmer Mühle rattert schon eine ganze Weile. Hastig schiebt Erna das rotseidene Nachthemd unter die Decke, und greift schnell nach der weißen Schürze, die Ihre dunkelfarbige Bekleidung vor dem unweigerlichen Staub schützen soll. Sie steht unschlüssig auf der Treppe mit dem Rücken zu dem kleinen Fenster und schaut hinunter auf den Namen Ludwig Schenk von Winterstedt.... 1758 darunter die großen Zahnräder des Mühleisens, und über allem schwebt der Schatten der Müllerin. Eine Lochkamera hat ihn verfolgt und sepiafarben an die schwarzen Balken gebannt. Wo ist sie mit ihren Gedanken 1758 – 1924- 2018? Chaos regt ihre kreativen Fähigkeiten an, verschmäht lineare Enge. Doch sie muss ihren Standpunkt finden, heute gibt es viel zu tun und der Müller kennt kein Pardon, fordert planmäßige Abläufe und der Baron das sechzehnte Korn. Geträumt wird in der Nacht. Erna ist Göttin der weißen Schürze, was ist und was geschieht. Göttin der schweren Mehlsäcke, Kräutergöttin, Weizengöttin, Göttin der roten Dessous. Erna ist in ihrem Radius. Wenn da nicht die PC- Mäuse wären. Sie trifft oft die kleinen Feldmäuse, die sich die Körner stehlen. Die sind im Moment verschwunden, überall blitzt es metallisch, super clean, kein Korn zu sehen, Mehl schon gar nicht. Aha, also die PC- Mäuse aktivieren, aber wo lässt sie dann den Kornsack von 1864…? den hat sie doch gerade so kunstvoll gestopft und geflickt. Voll mit Weizenkörnern schleppt sie den großen Sack erstmal zum Mahlstuhl... zum Glück hat jemand zwei dieser historischen Säcke irgendwo gefunden und dem Geschichts- und Mühlenverein übergeben. Sie sind stumme kostbare Zeugen eines vergangenen landwirtschaftlichen Lebens, das letztlich auch die Arbeit in den Kornmühlen berührt, von denen die Mühlenjungs und- Mädels der Holmer Mühle uns jeden Monat einmal am Mahltag erzählen. Inzwischen ist das Korn durchgelaufen und das weiße Mehl wird in Säcke oder Tüten abgefüllt. Die Mühlenmädels verkaufen das begehrte Mühlenbrot, kochen Kaffee und bieten leckere Schmalzbrote an... Erna setzt sich zum Frühstück hin und denkt an die vergangene Nacht mit den aufregenden Träumen von einer Welt, die über ihr Wachbewusstsein hinausgeht. Gleich ist ihre Pause zu Ende, ihr Arbeitstag dauert noch bis gegen 22 Uhr , 20 Personen gehören zum Haushalt und sind zu betreuen und zu versorgen. Sie ist dann müde, wird schnell einschlafen. Morgen muss sie früh raus... Die Vorlesung in der Uni beginnt schon um 9. Verfahrenstechnik hat sie belegt. Raum 12.

 

Müllerin-Boidoir

Ein Bett mit roter Unterdecke, ein Tischchen, darauf ein Buch und ein einfacher Holzstuhl bilden die sparsame Ausstattung- ergänzt durch ein Frauenbild an der einen Wand und einem kleinen rot-weißen Handspiegel mit Glühbirne an der anderen. Das Boudoir ist als intimer (fensterloser) kleiner Raum inszeniert. Das Wesentliche sind die Details: das Dreieck aus Korn auf der fein ordentlich gelegten Bettdecke, das als weibliches Schamdreieck bereits bei altgriechischen Idolen auf Fruchtbarkeit und weibliche Sexualkraft hinweist. Das große Foto in romantischer Manier, das die Rückenfigur einer "schönen Frau mit langen Zöpfen" zeigt, die vor der Wasserfläche des Mühlenteiches steht und in Richtung Trittauer Mühle blickt, die am oberen BIldrand auftaucht. Das Buch auf dem Tisch, das voller persönlicher gesammelter und eingetragener Intimitäten ist, die normalerweise nicht preisgegeben werden und verborgen bleiben. Die Poetik der Rauminstallation liegt in ihrer offenen Struktur. Welche Rolle spielen Fruchtbarkeit und sexuelle Lebenskraft? Was ist an Erleben, an Träumen, Schrecken oder Sehsucht im Buch enthalten? Was führt die schöne Müllerin an den Rand des Teiches?: harmonische Naturverbundenheit oder vielleicht der Schritt auswegloser Tragik, ins Wasser zu gehen?

Dr, Johannes Spallek 2013 in "Geschmacksverstärker"/Katalog 38/ Trittauer Wassermühle

Meine Damen und Herren, Sie merken sicher schon, ein Gespräch an diesem Tisch kann schnell philosophisch-literarische Fäden aufgreifen und zunächst mehr Fragen als Antworten im Raum entwickeln. So schafft es Irmgard Gottschlich, Tischgespräche zu initiieren, die an eine Tradition erinnert, die schon Philosophen der griechischen Antike wie Platon, Xenophon oder Trimalchio mit ihren Gastmahlen und später französische Gesellschaftskreise im 18. Jahrhundert mit dem philosophischen Frühstück zelebrierten. Im gleichen Zug aber thematisiert sie mit dieser Installation die Existenz und Lebensweisen von Männern und Frauen, die von der herkömmlichen (=patriarchalen) Geschichtsschreibung anders erzählt und bewertet wird. Es ist ebenso eine Absage an die Universalität einer rein vernunftsbetonten Perspektive. Und tatsächlich scheint es bei dieser ErdbeerHochzeit genau darum zu gehen, um eine bevorstehende Vereinigung. Denn während auf den beiden Längsseiten für potentielle Gäste eingedeckt wurde, sind zwei Plätze sich auf den Stirnseiten gegenüberliegend offenbar den Hauptpersonen vorbehalten. Ein rotes Kleid wartet darauf, getragen zu werden. Fünf blaue Erdbeeren stehen zum Verzehr bereit. Wie für eine rituelle Zeremonie scheint alles angerichtet. Vieles deutet daraufhin, dass sich hier eine Liaison zwischen Mensch und Natur und im übertragenen Sinne zwischen sinnlicher Wahrnehmung und geistiger Erkenntnis ereignen kann. Offengehalten wird die Frage: Kann es tatsächlich zu einer Verbindung kommen? Doch selbst wenn, wird diese in unserer Gegenwart, in der Industrialisierung, Technisierung und Konsum vorherrschen, Bestand haben können?
Vielleicht ja, vielleicht nein… Vielleicht nur im Kleinen, vielleicht gar im Großen… Unter dem Stuhl befindet sich ein Haufen schwarzer Erde – empfangs- und sendebereit durch die Antenne, welche nach Verbindungsmöglichkeiten unabhängig von zeitlichen und räumlichen Grenzen sucht. Nur die Computermaus verweist auf den Casus Knacktus: Es bedarf jemanden, der den Knopf drückt.

Auszug aus der Einführungsrede zu ErdbeerHochzeit von Meike Su / Mai 2017

Einst sollen an diesem Tisch über mehrere Generationen hinweg geschäftliche Besprechungen des traditionsreichen Unternehmens Röders stattgefunden haben. Denkbar, dass daher manch Akten, Aschenbecher oder Taschenrechner umhergereicht, dass über gesellschafts-politische Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft und Finanzen diskutiert wurden.
Aber jetzt scheinen diese Zeiten wie weggefegt. Ein neues Tischtuch wurde aufgelegt, mit zarten, filigranen Zeichnungen, die sich in ähnlicher Form auch auf der Matratze wiederholen. Diese übernimmt die Funktion einer Etagere und erinnert durch die Erhöhung an festlich geschmückte Tafeln. Mit Buntstift gezeichnet sind Akte – Frauen und Männer –, Schlangen, Eulen und Wölfe… und noch vieles mehr. Je länger wir schauen, desto mehr Details lassen sich entdecken: An manchen Stellen erkennen wir, wie sich eine Landschaft mit etwas Figürlichem verbindet, wie sich aus einem Körper weitere Wesen teilen/ abspalten oder dass gar das Unten im Bild gleichzeitig auch das Oben darstellen kann. Eine geheimnisvolle Bildwelt führt uns Irmgard Gottschlich da vor Augen, in der es scheinbar keine logische und zusammenhängende Erzählung gibt. Aber dennoch gibt es sie: Zusammenhänge, zwischen den Zeichnungen und den Glasschalen angefüllt mit Saat, Bohnen, Erde und Haferkörnern, zwischen den blauen Erdbeeren und den roten Wölfen oder zwischen der Anordnung der Stühle und dem Kleid. Diese Verbindungslinien lassen sich allerdings nicht faktisch greifen und quasi nach Schema F erklären, sondern sie sind assoziativ zu knüpfen. Mehrdeutigkeiten sind somit eingeplant und auch gewollt.

 

Auszug aus der Einführungsrede zu ErdbeerHochzeit von Meike Su / Mai 2017

 

 

Die Rauminstallation NIGHTDINNER mit einem Tisch-Stühle-Ensemble mit Pflanzenradio und mehreren im Raum verteilten Betten könnte an ein Abendessen erinnern. Das mit Farbstift gezeichnete Bildgeschichtenmenue auf Tüchern und Bettlaken bedeckt Flächen, die eigentlich zum Essen und Schlafen gedacht sind. Dieser Platz ist aber besetzt mit überbordenden Bilderzählungen, und man fragt sich, wo denn gegessen und geschlafen werden kann, ob eventuell das Essen unter dem Tisch und das Schlafen neben den Betten geschieht oder doch ganz woanders? Die häuslichen Gegenstände entziehen sich ihrer alltäglichen Funktion und öffnen den Blick auf ihre übergeordnet symbolhafte Bedeutung in den wechselnden Kulturen der langen Menschheitsgeschichte.

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Rotkäppchens neue Kleider

Wenn man sie fragte, wie lange sie schon dieses Kleid besaß, konnte sie keine genauen Angaben machen. Es mußten vier bis fünftausend Jahre sein oder länger. Damals wurde, wie es heute genannt wird, ein Kleidergesetz verabschiedet. Es regelte, nach welchen Maßstäben man sich in Zukunft zu kleiden hatte. Ziemlich anmassend, findet sie. Aber ein Zuwiderhandeln würde sich ziemlich bald nachteilig auswirken. In manchen Regionen der Erde hätte eine wie auch immer geartete Abkehr von diesen Vorschriften eine ausgesprochen diskriminierende Wirkung, wenn es nicht sogar streng strafrechtlich verfolgt würde. So ist zwangsläufig nach all der langen Zeit  das Kleid noch wie neu, denn Rotkäppchen hatte es gewissenhaft zu pflegen, und sie muß sich immer sehr vorsehen, damit es weiter gut erhalten bleibt. Wenn es regnete oder etwa ein Auto an ihr vorbei durch eine Pfütze fuhr, achtete sie darauf, dass keine Dreckspritzer das Kleid verunreinigten. Wurde es doch einmal nass, hing es schlaff an ihrem Körper herunter und war ersteinmal ruiniert. Dann hieß es waschen, stärken, bügeln. Wie mühsam ist das alles, denn jede Falte des, zugegeben, hübschen Plisseerocks musste am Ende neu gefältelt werden. Zu gern möchte sie einmal etwas anderes anziehen. Aber in all den Modegeschäften, Schneidereien und Boutiken wird nur das angeboten, was durch das Kleidergesetz erlaubt war, und davon passte nie etwas wirklich zu ihr. Denn die Mode in den Geschäften war nichts anderes, als die vorgegebene Kleiderverordnung. Oft dachte sie, wie schön wäre es, überhaupt nicht bekleidet zu sein. Dann wäre sie wenigstens unverfälscht und könnte im wahrsten Sinn des Wortes frei atmen, über die ganze Haut sich neu einkleiden. Sie freute sich über diese Vorstellung,  die dann aber vorläufig doch nur eine Idee bleibt. Rotkäppchen hatte große Lust, öfter in den Wald gehen, zu den Bäumen und den Tieren. Sie weiß, alle sind Ihre Freunde, und wenn sie sie zufällig trifft, bekommt sie zu hören, dass sie sich viel zu wenig blicken ließ, den Kontakt ruhig ein bisschen mehr pflegen dürfte. Es ist ihr peinlich, dass sie nicht den Mut hatte, den  Wald zu betreten, geschweige denn tiefer hinein zu laufen, auf  Nebenwege, ins Unterholz, über eine feuchte Wiese zu stapfen oder durch einen kleinen Bach zu waten, um geeignete Plätze für die Liebe zu finden, die doch aus der Natur kommt und sich immer wieder  mit ihr verbinden will. Bei diesen Gedanken zieht Rotkäppchen immer ein bisschen an ihrem Kleid herum, irgendwie schien es ihr manchmal zu eng zu sein. Dann erinnerte sie sich an die heiligen Feuer auf den Frühlingsfeldern, die die Liebenden wärmten und auch die Böden fruchtbar machten. Allerorten feierte man die rotglühenden Erdbeerhochzeiten. Das alles ist lange her- verboten, vergessen, verdrängt. Und heute wird den meisten Feldern Schaden zugefügt. Sie weiß, der bloße Gedanke an diese mythischen Zeiten löst überall Befremden aus. Verbote und Einschränkungen engen alles  ein, unmerklich zwar, aber nachhaltig und scheinbar unveränderbar. Leben mit den Zyklen der Erde, wie sie es erinnerte sei uneffektiv, nicht kontrollierbar, deshalb auch gefährlich und vor allem schamlos. Und das Kleid, das längst seine Funktion als Schmuck und Verkleidung, wie bei den rituellen Festen damaliger Zeit, verloren hatte, könnte Schaden nehmen, wenn es zum Beispiel bei der Begegnung mit den Waldpflanzen an Dornen hängen bliebe. Diese aber sind doch wichtig für die  Pflanze, haben eine sinnvolle Aufgabe, sind vor allem Teil der Gesamtheit universellen Lebens. Die Pflanzen selbst haben kein Problem mit irgendeiner Kleiderordnung, genauso wenig wie die Tiere, jedenfalls die, die noch frei leben dürfen. Sie alle sind immer richtig gekleidet. Rotkäppchen dagegen in ihrem Kleid nach Vorschrift darf nicht mehr ganzheitliche Natur

sein. Und so kommt es zwangsläufig zu Konflikten und Missverständnissen. Und um die zu vertuschen, wurde also vor langer Zeit diese irrwitzige Kleiderverordnung geschrieben, die sie sich nicht traut, sie zu umgehen. Indem sie den Waldbewohnern aus dem Weg geht und die für sie versteckten Blumen nicht treffen kann, wird ihr deutlich, was sie sich versagen, wie sehr sie ihre wilde Natur unterdrücken muß, die ihr doch eigentlich das Leben schenkt und für sie erhält. Leben geben, es erhalten und wieder erneuern ist die große mütterliche Natur der Erde. Und die will Rotkäppchen nicht in eine modische Hülle pressen. Immer wieder mal sehnte sie sich nach den Geräuschen und Gerüchen des Waldes, nach dem Krabbeln der Ameisen, dem Summen der Bienen, dem Rascheln der Blätter, dem Knacken der Äste, dem Heulen der Wölfe, dem grossen Rauschen der Natur. Und wenn sie diese Gedanken weiter vertiefte, wurde sie traurig. Manchmal zählte sie auf, wie oft in der langen Zeit ihr Kleid verändert wurde, der Mode entsprechend oder einer  gewissen Handhabbarkeit folgend. Es kam ihr dann vor, wie der alljährliche Abschluss eines neuen Tarifvertrags. Diejenigen, die so einenVertrag forderten und durchsetzten, meinten es scheinbar gut, handelten aber nur aus dem Blickwinkel einer allgemeinen Planbarkeit heraus. Und so waren diese jährlichen Veränderungen bis jetzt nicht wirklich das, was sie sich wünscht. Eine Übereinstimmung mit ihrem eigenen Wesen ist durch das, was mit dem Begriff Mode bezeichnet wird, bis zum heutigen Tag nicht zu erreichen. Immer ist irgend etwas falsch, und  der Wald wartet weiter, und wenn sich Rotkäppchen mal ein paar Schritte vom Hauptweg entfernte, gaben ihr die Pflanzen und Tiere  zu verstehen, dass sie nach wie vor eine künstliche Abgrenzung zwischen sich und ihnen aufrecht erhielt. Aber die Stimmen und Bestimmungen ihres kulturellen und sozialen Umfelds lassen ihr keine Wahl - oder doch? Rotkäppchen will etwas ändern. Und so fängt sie hinter verschlossenen Türen an, sich neue Kleider für sich selbst auszudenken. Zeichnen will sie- heimlich, suchend, sich Tag für Tag weiter vorwagend. Sie kann gar nicht mehr aufhören damit, immer mehr Zeichenblätter füllen das Versteck in der hintersten Ecke ihrer Kommode. Die neue Kollektion entwickelt sich fast wie von selbst. Sobald all diese spannenden Entwürfe mit ihr und in ihr umgesetzt werden, passen sie sich mehr dem Wind und dem Regen an, sodass kein sogenanntes schlechtes Wetter das Kleid behindert. Es istaus kräftigerem Material, dem die Dornen nichts anhaben können oder wenn, dann produzierten sie Ziehfäden an denen sich die Schmetterlinge festhaken könnten, um sich auszuruhen, Oder ängstliche Tiere hätten die Möglichkeit, sich in den langen weiten Stoffen zu verstecken. Vögel und Insekten liessen sich von den bunten Mustern anlocken und bildeten neue. In völliger Übereinstimmung mit sich selbst zeichnet Rotkäppchen immer weiter und freut sich, wenn sie morgens aufwacht, weil sie viele neue Ideen hat, die zu Papier gebracht werden wollen. Immer froher und selbstsicherer wird sie, immer weniger abhängig von den herrschenden Vorschriften. Die Blätter lassen sich nun nicht mehr verstecken, sie bedecken Regale, Tische, Stühle, den Fußboden. Sie wärmen das Zimmer, so dass sie ihr altes Kleid auszieht und sich nackt zwischen ihre Zeichnungen setzt. Jedes Blatt führt sie auf eine Reise der versäumten Wahrnehmungen auf sich selbst. Sie blickt auf die vergangene Zeit und ordnet die Geschehnisse neu ein, um für sich zu erkennen, dass über die beschriebenen Abläufe in der Menschengeschichte anders nachgedacht werden muß. Rotkäppchen sieht, dass dem Blick auf Handel und Wandel in ihrem gesellschaftlichen Umfeld bis zum heutigen Tag die spirituelle Dimension fehlt, die allein die  Menschen mit der Erde unter sich und dem Kosmos über sich verbindet und nur so ein ein naturgebenes Leben ermöglichen kann. Jetzt erst versteht sie, weshalb sie all die Jahre so schlecht gekleidet war. Für eine Veränderung im großen Stil sieht sie derzeit wenig Möglichkeiten, aber für sich hatte sie jetzt einen anderen - ihren eigenen Weg gefunden. Vielleicht würde sie Gleichgesinnte treffen. Und wer aufmerksam ist, kann sie bald in ihren neuen Kleidern sehen. Voller Freude und Zuversicht beschließt Rotkäppchen, am nächsten Morgen shoppen zu gehen und danach unbedingt in den Wald. Denn die neue Mode wird ihr nichts mehr anhaben können.